schoenesscheitern

Running out, our time is running out...
 
 

Hier was kleines zum lesen ...<.<

Sie saß neben ihm.
Sie fühlte an sich nur Reue und er fühlte nur noch Schmerz.

Und dabei fing alles so schön an.

Nathan kam damals in das Dorf wo Delilah von Geburt an lebte und zugleich noch die Tochter des Pfarrers war.
Es war kalt und Nacht als er völlig durchnässt und mit zerissenen Klamotten in die Kapelle hetzte und schrie, er würde verfolgt werden von wildgewordenen Hunden.

Delilah war geschockt als sie diesen jungen  Mann so zugerichtet sah, aber er war einfach nur gefesselt. Von ihr.
Wie sie dastand, vor dem Mosaikfenster, das vom Vollmond beschienen wurde.
Pastellblondes, schulterlanges Haar. Unnatürlich schöne, braune Augen, die ihn so traurig ansahen.

"Oh mein Gott, Sie sehen ja furchtbar aus!", entfiel es ihr urplötzlich.

Etwas beschämt blickte er zur Seite und schleppte sich auf eine der Holzbänke.

"Delilah", sagte der Pfarrer belehrend, "Was soll denn dieser Lärm zu solch später Stunde?"
Zusammengezuckt erwiederte sie nur: "Vater...dieser junge Mann ist voller Blut und scheinbar leicht irritiert..."

Sanft lächelte er dem Jungen zu. "Wo kommst du denn her, wo ist dein zu Hause?"
Doch bevor er überhaupt antworten konnte, brach Nathan schon zusammen.

"Delilah....", stöhnte Nathan noch heraus, " ein schöner Name..."

Der Pfarrer rief ein paar Dorfbewohner zu sich und ließ den jungen Mann in die Herberge tragen, Delilah wollte zur Hand gehen doch ihr Vater verbot ihr mit grimmiger Miene die Kapelle zu verlassen, da es schon so spät sei.
Leicht verstimmt willigte sie doch ein.

Einige Wochen vergingen und Delilah und Nathan sahen sich jeden Tag.
Sie rief ihn zum essen und wusch ihm die Wäsche, die er von anderen Dorfbewohnern geschenkt bekam.

Gegen Abend suchte sie ihn wie verrückt, doch er war nirgends aufzufinden.
Die Dämmerung setzte schon ein als sie zufällig an dem See vorbeikam, der etwas abseits vom Dorf entlanglief.

Nathans langes, nussbraunes Haar wehte im kühler werdenden Herbstwind und umspielte seinen Rücken, der zwar kräfitg gebaut war, jedoch in diesem Licht vollkommen schmal, gar zierlich, wirkte.

"Ich muss gehen, Delilah," sagte er, ohne sich umzudrehen. "Bevor es zu spät ist."
Trauer untermalte ihr Gesicht. "Wieso? Ich hatte gedacht du würdest..."
"Ich kann nicht hierbleiben!", unterbrach er sie im lauten Ton. "Es war ein Fehler herzukommen, verstehst du?"

Ihre Unterlippe bebte. Die Hände wollten nicht mehr gehorchen. Stehen wurde immer schwerer, ohne komplett zu erzittern.
Die Augenbrauen zusammengezogen und mit Tränen in den Augen sah sie ihn an.

"Nein...", sagte sie kleinlaut, "Das verstehe ich nicht."

Er seufzte und hörte schon, wie sehr sie kämpfte, nicht zu klingen, als sei sie am weinen.
"Wenn ich bleibe, wirst du mich hetzen und jagen. Wahrscheinlich wirst du mich nicht mal mehr mögen."

"Ich mag dich nicht nur!", weinte sie ihm entgegen.

Erneutes seufzen von seiner Seite. "Je mehr du für mich fühlst, Delilah, um so mehr...umso mehr wirst du das Gegenteil empfinden, wenn 'es' passiert.
Ich wette mit dir, du würdest mich nicht mal ansehen, wenn ich versuche, dich mit meiner Hand zu erreichen."

Verwirrt schüttelte sie ihren Kopf. "So etwas würde ich niemals tun."

Er dreht sich zu ihr um. Wegen der Untergehenden Sonne, die im tiefen Rot dastand konnte sie seine wunderschönen eisblauen Augen nicht sehen.

"Wenn du dir dessen so sicher bist, bleibe ich hier."

Ob er lächelte oder ob er weinte konnte sie nur erahnen.

"Als ich hier vor Wochen ankam, hatte ich schon fast geahnt, dass es hier passiert", erklang es von ihm, als würde er lachen.

"Ich...", beruhigte sie sich, "Ich werde zu dir halten, egal was man mir sagt. Denn ich... Nathan, ich lie...."

"Schon gut," er legte seinen Zeigefinger auf ihre Lippen. "Mache es mir bitte nicht noch schwerer."
Mit aufgerissenen Augen sah sie, dass seine Augen gar nicht mehr die blaue Farbe hatten. Sie waren schwarz geworden.

Nathan ging an ihr vorbei. "Komm, wir haben nur wenige Stunden und es wird auch langsam dunkel."

Sie drehte sich noch einmal um. Die Sonne war schon komplett untergegangen und was ihr blieb war ein dumpfes Gefühl.

Waren seine Haare in den paar Wochen so dermaßen gewachsen, fragte sie sich selbst in Gedanken.
Sie waren zwar vom ersten Zusammentreffen an länger als ihre, aber sie waren nur bis zum Schulterblatt gekommen - nun sind sie schon über seinen Steiß hinausgewachsen.
Seine Wunden verheilten auch nach nur einigen Stunden obwohl er sogar von ihnen zusammenbrach.
Delilah war sich bewusst, dass er etwas Besonderes war, aber in welchem Ausmaß das sein sollte, ahnte sie in ihren kühnsten Träumen nicht.

Beim Abendessen im Nebenraum der Kapelle schwieg  er sich aus, er starrte nur Delilah mit einem ungeheuer traurigen Blick an.
"Ähm, Vater ist heute Nacht bei einer Sitzung, das kann an sich bis Mitternacht dauern, soweit ich weiß."
Sein Blick veränderte sich.
"Bis Mitternacht?", wiederholte er mit überschlagener Stimme.
"So sagte er es zu mir, ja. Stimmt damit was nicht?"
Er stellte seine Schale zur Seite. "Dann bleibt uns wirklich keine Zeit mehr."
"Wie meinst du das uns..." - "Bist du bereit?", unterbrach er sie.
Obwohl sie sich mehr als nur gern hatten und auch beide schon mitte 20 waren, so haben sie 'damit' immer gewartet - alleine schon, weil Delilah Jungfrau bleiben sollte, bis sie eines Tages heiratet.
"Warum so plötzlich? Du weißt, dass..."
Er senkte seinen Blick.

"Ich...werde heute Nacht sterben. Und dein Vater wird mich töten."
Sie stand empört auf: "Warum sollte Vater dich töten?! Und warum heute?"
Verkrampft vergräbt er sein Gesicht zwischen seinen Händen.
"Du wirst verstehen, wenn du es siehst."

Ohne es wirklich zu sehen, stand Nathan plötzlich neben ihr und hält ihre Hände.
Es folgen keine Worte mehr.

In ihrer Ekstase werfen sie alles vom Tisch, gefolgt von leidenschaftlichen Küssen und herzhaften Stöhnen.
Ihre Körper und Seelen vereinten sich und Delilah fühlte das größte Glück auf Erden.

Stunden vergingen.
Sie sitzen nebeneinander in der Kapelle dich aneinander gerückt und halten sich so fest sie konnten.

"Warum...sagte mir Vater nicht, dass du sterben wirst?", weinte sie.
"Dummkopf warum wohl? Weil er dich liebt. Du bist seine Tochter." Sanft streichelt Nathan durch ihr Haar.
"Aber ist es nicht wichtiger wen ich lie..." Abermals legte er seinen Zeigefinger auf ihre Lippen.
"Seine ganze Liebe richtet sich auf dich. Genauso wie meine."

In diesem Moment hörte man laut die Dorfbewohner schreien und fluchen und Holz ging in die Brüche.
Hand in Hand gingen Delilah und Nathan zur Tür, in dem Wissen, es wird ihr letztes Mal sein.
Zusammen stießen sie die Türe auf und sahen das ganze Dorf in Flammen stehen.
Viele Frauen und Kinder lagen im staubigen Dreck und die Männer sah man mit hundeartigen Gestalten kämpfen.

Er hielt ihre Hand fester als zuvor.
"Als ich herkam, wurde ich von Werwölfen angegriffen. Sie haben mich infiziert und ließen mich laufen. Dein Vater hat es wohl gewusst und die Leute hier im Dorf zusammengetrommelt und drauf vorbereitet. Heute ist Vollmond und sie kommen um mich zu holen."
Mit ihren rehbraunen Augen sah sie ihn an.
"Und wegen mir...wählst du heute den Tod statt mit ihnen zu gehen?"
Lächelnd drückte er sie an sich.
"Ich lasse mich lieber in Fetzen reißen, als dir im Blutrausch auch nur ein Haar zu krümmen. Das ist wohl was es heißt zu lie..."
Weinend legt sie ihm ihren Zeigefinger auf die schmalen Lippen.
"Ich verstehe nun." Tränen rinnen über ihre zarten, weißen Wangen. "Ich werde immer bei dir bleiben."

Es folgte ein letzter Kuss, bevor sich der Pfarrer mitsamt Gefolgschaft auf Nathan stürzte.
Er wehrte sich kaum, sie hetzten ihn durch das ganze Dorf und an jeder Ecke stand Delilah und sah weinend zu, wie ihr Liebster zu Tode gehetzt wurde.
Als der Junge nicht mehr laufen konnte, schlugen und hackten sie auf ihn ein, bis er blutüberströmt, nur noch leicht zuckend, da lag.

"Genug!", rief Delilah ihrem Vater zu. "Er wird sterben, das reicht doch nun, oder nicht?"

Ohne ein Wort zogen sich alle zurück.

Das Feuer, das das Dorf vereinnahmte, ließ beide im warmen Licht erstrahlen wie es der Sonnenuntergang vor einigen Stunden tat.
Nathan streckte seine Hand nach ihr aus.
Sie ergriff die seine und weinte.


Sie saß neben ihm.
Sie fühlte an sich nur Reue und er fühlte nur noch Schmerz.

Und dabei fing alles so schön an.

30.8.08 19:59

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